Fresken & Laurin

Die Laurin-Fresken

Einzigartige spätgotische Wandmalereien – entstanden um 1400, gerettet 1907–1912.

Kunstgeschichte

Ein Freskenzyklus von europäischem Rang

Um 1400 ließ der damalige Burgherr den Hauptsaal mit einem einzigartigen Zyklus von Wandmalereien ausstatten. Die Bilder erzählen die mittelhochdeutsche Heldensage von Dietrich von Bern und dem Zwergenkönig Laurin.

Zwischen 1907 und 1912 wurden die Fresken von den Wänden abgenommen und in das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum nach Innsbruck gebracht, wo sie heute noch zu bewundern sind.

🎨 Entstanden ~1350–1400
🏛️ Heutiger Standort Ferdinandeum
🖼️ Bildszenen 5+
📅 Gesichert 1907–12

👑

Die Sage von König Laurin

Laurin, der mächtige Zwergenkönig der Dolomiten, bewachte seinen Rosengarten mit eisernem Gesetz. Wer auch nur eine Rose pflückte, verlor Hand und Fuß. Als Held Dietrich von Bern ihn besiegte, verfluchte Laurin seinen Garten – und seither leuchten die Dolomiten jeden Abend rot im Alpenglühen.

Technik & historische Bedeutung

Tempera auf Kalkputz – Gotik des 14. Jahrhunderts

Die Lichtenberger Fresken sind in Tempera auf frischem Kalkputz (Buon fresco) gemalt – eine im mittelalterlichen Europa verbreitete Technik, die höchste Sorgfalt erforderte: Die Pigmente wurden direkt auf den noch feuchten Putz aufgetragen und verbanden sich beim Trocknen chemisch mit dem Untergrund.

Der Stil gehört der Gotik des Internationalen Stils an, geprägt durch elegante, gestreckte Figuren, reiche Gewänder und ornamentale Hintergründe. Der Lichtenberger Zyklus ist eines der seltenen erhaltenen Beispiele weltlicher Erzählmalerei zu einem mittelhochdeutschen Literaturthema – dem Laurin-Epos (um 1200, anonym).

Die Fresken entstanden um 1350–1400, vermutlich im Auftrag der Lichtenberger Herren, um die höfisch-ritterliche Kultur und den Dietrich-von-Bern-Sagenkreis zu feiern. Ihre Einzigartigkeit liegt im weltlichen Sujet und der für eine Landburg außergewöhnlichen Qualität der Ausführung.

Abb.: Ferdinand Leeke (1859–1937) · Gemeinfrei

Zwergenkönig Laurin am Hof des Dietrich von Bern – Ferdinand Leeke, Öl auf Leinwand

Zwergenkönig Laurin am Hof des Dietrich von Bern
Ferdinand Leeke (1859–1937) · Öl auf Leinwand · Gemeinfrei


Die Bildszenen

Der Laurin-Zyklus

Fünf erhaltene Hauptszenen des Freskenzyklus, heute im Ferdinandeum Innsbruck.

Schlosser 1916 Tafel III: Dietrich von Bern kämpft mit König Laurin

~1350–1400

Eröffnungsszene des Zyklus: Zwergenkönig Laurin herrscht über seinen sagenhaften Rosengarten in den Dolomiten. Wer auch nur eine Rose bricht, verliert Hand und Fuß – so lautet sein eisernes Gesetz. Die Szene leitet den gesamten Freskenzyklus ein.

J. v. Schlosser, 1916 · UB Heidelberg · Public Domain

Schlosser 1916 Tafel V: Lanzenstechen – Turnier vor der Burg

~1350–1400

Held Dietrich von Bern fordert Laurin zum Kampf. Trotz Tarnkappe und Zauberkraft wird Laurin überwunden – eine der dramatischsten Szenen des gesamten Zyklus. Das Lanzenstechen zeigt die ritterliche Auseinandersetzung in hochgotischer Manier.

J. v. Schlosser, 1916 · UB Heidelberg · Public Domain

Schlosser 1916 Tafel VII: Jagdszene

~1350–1400

Laurin hatte Dietrichs Schwester Simild in sein unterirdisches Reich entführt. Die Jagdszene versinnbildlicht die Verfolgung – Dietrich und seine Gefährten durchkämmen die Bergwelt auf der Suche nach der Entführten.

J. v. Schlosser, 1916 · UB Heidelberg · Public Domain

Schlosser 1916 Tafel VI: Kolbenturnier

~1350–1400

Das Kolbenturnier zeigt das höfische Leben im Umfeld der Lichtenberger Herren – und verweist auf das unterirdische Reich Laurins mit seinen Festgelagen und ritterlichen Spielen.

J. v. Schlosser, 1916 · UB Heidelberg · Public Domain

Schlosser 1916 Tafel XI: Sauhatz – Wildschweinjagd

~1350–1400

Die Sauhatz (Wildschweinjagd) beschließt den Zyklus – und verweist auf Laurins Fluch: Er verflucht seinen Rosengarten, vergisst aber die Abendröte. Seither leuchten die Dolomiten jeden Abend rot: Laurins ewiger, brennender Rosengarten.

J. v. Schlosser, 1916 · UB Heidelberg · Public Domain

12 Szenenrekonstruktion nach Troyer (1974) und dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum.

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Ferdinandeum Innsbruck

Wo sind die Fresken heute?

Die Lichtenberger Fresken befinden sich derzeit im Besitz der Tiroler Landesmuseen – Ferdinandeum in Innsbruck. Nachdem sie zwischen 1907 und 1912 aus dem Schloss entfernt worden waren – ein unter kontroversen Umständen durchgeführter Vorgang zu einer Zeit, als Denkmalschutzstandards noch rudimentär waren – wurden die Malereien in das Tiroler Landesmuseum überführt.

Die Fresken sind derzeit nicht öffentlich ausgestellt, da das Museum bis voraussichtlich 2028 umfassend renoviert wird. Die Werke werden unter den Inventarnummern Gem 1227–1241 verwahrt.

Für Informationen zum aktuellen Ausstellungsstatus oder für Forschungsbesuche wenden Sie sich bitte direkt an das Museum.

Ferdinandeum besuchen ↗

Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum

Maria-Theresien-Str. 53
6020 Innsbruck, Österreich

Laurin-Zyklus:
Inv.-Nr. Gem 1227–1241

Derzeit nicht öffentlich ausgestellt (Renovierung bis 2028)

Laurin kämpft gegen Dietrich – Kaspar von der Rhoen, 1472, mittelalterliche Handschrift

Kaspar von der Rhoen, 1472 · SLUB Dresden, Hs M. 201, fol. 276v · CC BY-SA 4.0


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