Ein Freskenzyklus von europäischem Rang
Um 1400 ließ der damalige Burgherr den Hauptsaal mit einem einzigartigen Zyklus von Wandmalereien ausstatten. Die Bilder erzählen die mittelhochdeutsche Heldensage von Dietrich von Bern und dem Zwergenkönig Laurin.
Zwischen 1907 und 1912 wurden die Fresken von den Wänden abgenommen und in das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum nach Innsbruck gebracht, wo sie heute noch zu bewundern sind.
Die Sage von König Laurin
Laurin, der mächtige Zwergenkönig der Dolomiten, bewachte seinen Rosengarten mit eisernem Gesetz. Wer auch nur eine Rose pflückte, verlor Hand und Fuß. Als Held Dietrich von Bern ihn besiegte, verfluchte Laurin seinen Garten – und seither leuchten die Dolomiten jeden Abend rot im Alpenglühen.
Tempera auf Kalkputz – Gotik des 14. Jahrhunderts
Die Lichtenberger Fresken sind in Tempera auf frischem Kalkputz (Buon fresco) gemalt – eine im mittelalterlichen Europa verbreitete Technik, die höchste Sorgfalt erforderte: Die Pigmente wurden direkt auf den noch feuchten Putz aufgetragen und verbanden sich beim Trocknen chemisch mit dem Untergrund.
Der Stil gehört der Gotik des Internationalen Stils an, geprägt durch elegante, gestreckte Figuren, reiche Gewänder und ornamentale Hintergründe. Der Lichtenberger Zyklus ist eines der seltenen erhaltenen Beispiele weltlicher Erzählmalerei zu einem mittelhochdeutschen Literaturthema – dem Laurin-Epos (um 1200, anonym).
Die Fresken entstanden um 1350–1400, vermutlich im Auftrag der Lichtenberger Herren, um die höfisch-ritterliche Kultur und den Dietrich-von-Bern-Sagenkreis zu feiern. Ihre Einzigartigkeit liegt im weltlichen Sujet und der für eine Landburg außergewöhnlichen Qualität der Ausführung.
Abb.: Ferdinand Leeke (1859–1937) · Gemeinfrei
Zwergenkönig Laurin am Hof des Dietrich von Bern
Ferdinand Leeke (1859–1937) · Öl auf Leinwand · Gemeinfrei
Der Laurin-Zyklus
Fünf erhaltene Hauptszenen des Freskenzyklus, heute im Ferdinandeum Innsbruck.
12 Szenenrekonstruktion nach Troyer (1974) und dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum.
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Wo sind die Fresken heute?
Die Lichtenberger Fresken befinden sich derzeit im Besitz der Tiroler Landesmuseen – Ferdinandeum in Innsbruck. Nachdem sie zwischen 1907 und 1912 aus dem Schloss entfernt worden waren – ein unter kontroversen Umständen durchgeführter Vorgang zu einer Zeit, als Denkmalschutzstandards noch rudimentär waren – wurden die Malereien in das Tiroler Landesmuseum überführt.
Die Fresken sind derzeit nicht öffentlich ausgestellt, da das Museum bis voraussichtlich 2028 umfassend renoviert wird. Die Werke werden unter den Inventarnummern Gem 1227–1241 verwahrt.
Für Informationen zum aktuellen Ausstellungsstatus oder für Forschungsbesuche wenden Sie sich bitte direkt an das Museum.
Ferdinandeum besuchen ↗Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
Maria-Theresien-Str. 53
6020 Innsbruck, Österreich
Laurin-Zyklus:
Inv.-Nr. Gem 1227–1241
Derzeit nicht öffentlich ausgestellt (Renovierung bis 2028)
Kaspar von der Rhoen, 1472 · SLUB Dresden, Hs M. 201, fol. 276v · CC BY-SA 4.0
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